FITNESS FOR THE WITNESS

(Feb, 2009 überarbeitet 2012)

by Navanita Harris

Big big fitness

Rennen kann Meditation sein,
laufen, tanzen, schwimmen –
alles kann Meditation sein.
Meine Definition von Meditation:
Wenn dein Körper, Geist und Seele
in Rhythmus zusammen funktionieren
dann ist das Meditation, weil es den
Vierten mit einbringt. Und wenn du
aufmerksam bist und es als
Meditation tust – nicht als Vorbereitung
für die Olympiade aber als Meditation
- dann ist es unglaublich schön.
Osho

auf deutsch   Stell dir vor, du wachst auf, öffnest deinen Kleiderschrank und da hängen eine große Vielfalt von Körper-Outfits. Du kannst auswählen welchen Körper-Anzug du tragen möchtest – groß/klein, farbig/weiß, unbeweglich/flexibel, stark/verletzlich, lang/kurz, spannkräftig/saftig... Was für ein Image möchtest du heute in der Welt repräsentieren?

Unsere modernen Kultur vertritt den Trend des  „perfekten Körpers“. Wenn du keinen perfekten Körper hast, so wird die Fitness- und Kleidungsindustrie an dir arbeiten, bis du in den Trend passt. Du hast erst dann einen perfekten und gut aussehenden Körper, wenn er dem entspricht was der Fitness und Kleidungsmarkt vorschreibt.

Ich habe Dehnungs-Klassen in einem repräsentablen Fitnessstudio in München gegeben. Dort waren viele hübsche Models in meinen Kursen... Ich mag hübsche Gesichter und Körper. Was mir nicht gefiel war, dass niemand in diesen Körpern Zuhause war. Einmal hatte ich eine Idee den Models zu helfen ihre Körper zu fühlen. Am Ende der Stunde habe ich sie eingeladen: „Jetzt lasst uns die Stunde beenden, indem ihr eure Brustwarzen poliert... so“ ich demonstrierte es und habe freundlich gelächelt. Es war als wäre ein Licht in ihren Körpern eingeschaltet worden... zuerst haben sie nur große Augen gemacht, dann aber genossen sie das Polieren... um für einen Moment, ihre Körper zu spüren und zu genießen. Mein Boss schnappte sich mich nach der Stunde. Mir war eigentlich egal was sie darüber dachte – aber ich war doch überrascht über ihre begeisterte Reaktion. Sie sagte, sie würde meinen spontane Art, Aufmerksamkeit in die Körper der Menschen zu lenken, sehr schätzen und die Reaktion der Models hätte sie entzückt. Sie gab Fitness und Aerobic Training-Kurse in Deutschland und fragte mich ob ich mit ihr touren würde. Ich mochte, dass sie mich einlud, aber ich wollte keine Energie darin investieren. Während ich in Fitness Studios lehrte habe ich mehr Identifikation mit dem „Image“ gesehen und weniger das Interesse an Spaß und Meditation. Ich war interessiert am „beobachtenden Teil“... wollte Mediation in Bewegung lehren.

Ich hatte schon „Fitness für den Beobachter“ Trainings in Australien organisiert und geleitet, eine Kombination von Meditation und Bewegung. Aikido, Yoga, Kinesiologie (Muskel-Testen), Tanz, Rennen, Aerobic, Workout und Dehnungs-Klassen zielten darauf ab mehr Bewusstsein in den Körper zu bringen. Später habe ich „Fitness für den Beobachter“ in Puna (ein Meditationszentrum) in verschiedene Gruppen, Klassen und

Ausbildungen eingeführt. Ziel, war den eigenen Körper zu erkunden und einzubinden um bequem und freundlich in ihn zu „passen“. Du konntest die Werkzeuge die ich vermittelte üben und dein eigenes einzigartiges Programm kreieren, was zu deiner Verbindung zum Körper und dessen Intelligenz und Weisheit passte.

Ich genieße individuelle „Fitness für den Beobachter“ Sessions zu geben. Als spiritueller „Körper-Detektiv“ unterstütze ich jeden „Körper“ das zu finden was er braucht. Ich habe Rennen, Schwimmen, Zennis, Tanz, Dehnung und Krafttraining geleitet und gecoacht mit der Orientierung  auf der Verankerung des „Beobachters“. Tennis wurde zu „Zennis“ mit der Zugabe des Bewusstseins = ein Zen Ansatz. Professionelle Tennisspieler dabei zu beobachten wie sie sich erlebten und sich beim Spiel „beobachteten“ war herrlich.

 

Meine eigene Erfahrung des „Fitness für den Beobachter“ begann als ich Australische Sprint-Meisterin war. Es war eine Freude die 200 Meter Strecke zu laufen, den Boden zu verlassen, schwerelos zu werden und dann nach dem Ziel in einem Körper zu landen der ein „No–body“ war während er das Rennen lief. Fitness machte Spaß, ich liebte zu trainieren und zu üben. Ich trainierte mit den Männern, denn ich war zu schnell für die Frauen. Es ging beim Sprinten darum einen sehr fitten und abgestimmten Körper zu haben, darüber hinaus viel es mir leicht auch aufmerksam und präsent zu sein. Es fühlte sich einfach, natürlich, leicht, total lebendig, frei, und mächtig an. Den Wettkampf empfand ich andererseits als sehr stressig und nach einiger Zeit hatte ich genug. Die Aussicht auf die Olympiade war nicht genug um mich in meinen Sprinter Schuhen zu halten.

Ich trainierte allein und joggte – Ahhhhhh... Die Meditation veränderte sich in Atmung und Füße gemixt mit dem Zwergfell – alle sprinten zusammen über die Erde. 

Am frühen Morgen flog wieder ein ‚No-Body“ - flog den Weg entlang. Es wurde meine Meditation. In meinen Körper – der Atmen mit seinen 100 Trillionen Zellen. Ich erwachte zu Teilen meines Körper, die sich durch die Bewegung offenbarten. Ich entdeckte, dass ich meinen Körper in der Bewegung scannen konnte... meinen Körper von innen erfassen. Es war wie wenn ein Ozean zur Wüste kommt, wie ein Licht nach innen kommt wo scheinbare Dunkelheit herrschte. Das innere Körper-Bild entfaltete sich in einem fort, um sein mysteriöses und wundervolles Design zu enthüllen.

Jogging war, wie das Spriten und der Wettbewerb, erhebend und erdend (Erde und Himmel treffen sich). Ich führte es als Meditation fort...“ der Rennende verschwand nur noch das Rennen blieb“.

Durch das Rennen konnte ich den Körper im Inneren beobachten während er sich im außen bewegt. Während des Atmens bemerkte ich die Lungen, den Brustkorb, Zwergfell, Schulterblätter, Organe und Knochen, das Blut welches den Sauerstoff transportiert und den ganzen Körper verbindet. Die Füße hatten Seelen, wurden gewichtiger und von oben her angehoben: lebendige Knochen und Bänder erwachten durch die Bewegung. Während ich rannte beobachtete ich meinen Körper wie er sich ausglich. Die Beine, Hüfte, Schultern und die Wirbelsäule balancierten den Kopf und die Sinne leiteten Informationen weiter... ich beobachtete die Augäpfel wie sie die Umgebung „sahen“, Die Ohren wie sie Töne „hörten“ während der Körper in Harmonie mit der äußeren Welt in Verbindung stand. Mich zu beobachten war eine Meditation. Wenn ich den Rhythmus meines Atems veränderte, floss Energie in Plätze die vorher unbewusst waren und sich somit öffneten. Ich übte, den Atmen von der Brust in den Bauch sinken zu lassen und hatte Zugriff zu der Lebensenergie... Chi. Ich erforschte das Dantien (Chinesisch) oder Hara (japanisch) und entdeckte wenn ich diese Lebensenergie (Universelle Energie) nutzte um die Bewegung zu unterstützen, schuf das mehr Leichtigkeit, Kraft und Fluss.

Meine Bewegungs-Meditation brachte mich dahin östlich orientierte Praxis wie Yoga, Tai-Chi, Feldenkreis und Aikido zu studieren. Während ich meine Ausbildung zur Grundschul-Sportlehrerin machte, kombinierte ich diese östlichen Lehren mit meinem westlichen Ansatz zu Fitness.

Während wir Bauchfettanteile maßen, uns wogen und uns gesagt wurde, dass das Teil des „fit“ sein sei, wunderte ich mich. Müssen wir uns in das „Fitness-Image“ pressen und müssen unsere Körper in Kleidung passen die andere Leute als „passend“ empfinden? Ich sehe Fitness als in meine Haut „fitting“ (passen) - dass ich meinen Körper bewohnen kann – während ich meine körpereigene Intelligenz entdecke und mich um sie kümmere. Körper ist Bewegung ... es geht ums Bewegen das ist seine Sprache. Warum also nicht heraus finden was zu seinen Bedürfnissen passt („fits“). Bewegung bietet sensorische Wahrnehmung des Inneren und Erfahrung des eigenen Körper. Durch die Bewegung spüren wir wo wir in diesem Moment sind. Der erste Nerv der im menschlichen Körper wuchs war der Bewegungs-Nerv. Es ist unsere sechster Sinn...

Entdecke was für Übungen dein Körper mag anstatt das zu tun was jemand anderes meint was gut für dich ist. Finde heraus was zu dir passt. Dein Körper weiß was er braucht und weiß wie er sich zu bewegen hat. Der Körper hat seine eigene Sprache und durch die Bewegung können wir diese nonverbale Kommunikation verstehen.

Nach meinem Busunfall im Jahre 1994, hat das Erfassen und Zuhören, meinen Körper bei der Heilung unterstützt.  Es war mir möglich ein neues Heilungs- und Fitnessprogramm zu entwickeln, welches auf die Bedürfnisse meines heilenden Körper zugeschnitten war. Die Ärzte meinten, dass ich mein Überleben nur meinem fitten Körper zu verdanken hätte. Mein völlig arbeitsunfähiger, gebrochener Körper hat mich nicht gestoppt, weiter meine tägliches Fitness Programm zu tun. In der Definierung von Fitness wird von drei Dingen gesprochen, Ausdauer, Kräftigung und Dehnung... in meiner Erfahrung mit meinem Heilungs-Fitness-Programm habe ich „weniger-Aktion und mehr Nicht-Tun“ entdeckt - die östlichen Kulturen nennen es Wu-Wei. Die vierte Entdeckung war Sensibilität... Respekt und Bereitschaft loszulassen und zuhören, anstatt den Körper zu erobern oder zu unterwerfen. Der Beobachtende wird bestärkt – „Aufmerksamkeit gegenüber dem Körper stärkt ihn“.

Zuerst waren nur sehr sanfte Dehnungen möglich, da ja überall Kabel, Schläuche, Nadeln und Gewichte dranhingen... es war nicht wirklich viel was ich bewegen konnte. Beim Dehnen ging es darum Platz zu schaffen für ein bisschen Komfort und Bequemlichkeit, um jede noch so kleine Sekunde ohne Schmerz zu genießen. Das Dehnen brachte Klarheit und Bewusstheit in den Körper. Diese Aufmerksamkeit hat den Körper und seine Heilungs-Resilienz  bestärkt. Nicht ‚ich’ habe geheilt – die Bewusstheit durch die Bewegung und das Erfassen hat den Körper unterstützt was er von Natur aus wusste – sich um sich kümmern und sich selber heilen. Das Dehnen half die Körperflüssigkeiten fließen zu lassen, Lymphe und das Bindegewebe blieben geschmiert und elastisch und das Blut konnte Nährstoffe, Sauerstoff und Chi durch den ganzen Körper transportieren.  Als der Körper mehr Mobilität gewann, habe ich mehr Krafttraining gemacht um Tonus zu gewinnen, dieser half mir, einen klareres Gefühl, für meinen Körper und seine Grenzen zu bekommen. Als meine Beine genug geheilt waren um sie zu bewegen, habe ich mit Ausdauertraining angefangen. Ich musste wegen meinem gebrochenen Rücken immer noch im Bett liegen, aber ich begann Luftfahrrad zu fahren und meine Arme und Beine so zu bewegen, dass mein Herzschlag für 20 min über 70 % kam. So kam es, dass ich ein neues Energieniveau erreichte. Es sah schon komisch aus... aber ich kam damit gut klar wie eine umgefallene Schildkröte auszusehen mit meinen Armen und Beinen in der Luft.

Durch Bewegung konnte ich die Heilungs-Resilienz  unterstützen. Durch den Sauerstoff im Blut wurde Chi gewonnen um damit die Lebenskraft-Resilienz zu stärken. Bewusstheit brachte vitalisierende Heilungs-Potenz in den Körper. „Jede kleine Zelle in meinem Körper ist glücklich“.

Mein heutiges Fitnessprogramm hat sich verändert. Nach meiner Genesung durfte ich nicht mehr rennen. Ich versuche meinen Arzt zu überzeugen weiter zu laufen, da ja das Rennen ein so großer Teil meiner Bewegungs–Ressource darstellte. Ich wusste nicht was kommen würde, nachdem ich diesen großen gewohnten Teil meines Leben aufgeben würde. Mein Rücken stimmte meinem Arzt zu, denn es war sehr unangenehm wieder zu rennen. Ich habe es als Chance gesehen und das Angebot angenommen um meine tägliche Routine zu verändern. Die Kombination aus abwechselnden Bewegungen wie walking (mit hoher Herzfrequenz), tanzen und dehnen unterstützt die „Wu-Wei“-Fitness: weniger Aktion und mehr Meditation – Es geht darum bei der Aktion, dem Empfinden und den Somatischen Bewegungen das „beobachten“ zu genießen

Bei der „Fitness für den Beobachter“ geht es darum Bewusstheit in den Körper zu bringen, dass du mit optimalen Komfort und Effizienz in deinen Körper „passt“. Dadurch ist das Körper-Gesundheit-Potential verfügbar, sich selbst um sich zu kümmern.

Lerne deinen Körper kennen, finde heraus was ihm „passt“ welchen Anzug (im Bezug auf die morgendliche Auswahl in deinem Kleiderschrank) er tragen möchte. Nicht „wenn meine Körper in besserer Form ist, bin ich glücklich“. Das ist eine Einstellung die sagt „Ich bin nicht Ok in diesem Moment“ vielleicht steckt auch ein Muster dahinter, dass du es besser machen musst. Deine Einstellungen und Gedanken beeinflussen deinen Körper. Es gibt eine chemische Reaktion - Neuropetite übertragen Botschaften an die Zellen und diese antworten/reagieren mit dem Programm die du ihnen schickst. Also behandele den Körper als einen Freund, einen Tempel, pflege ihn mit Liebe und Sorge und erfülle seine täglichen Bedürfnisse. 

Du kannst dein eigenes Fitnessprogramm erstellen das deinem Potenzial/Möglichkeiten entgegenkommt. Wenn du deinen Körper wie einen Rolls Royce pflegst und nicht wie ein Fahrrad, so wird er so arbeiten und du wirst in einem gut abgestimmten Instrument fahren. Ein fitter Körper kann sich um sich kümmern, er kann gut funktionieren und glatt laufen.

Du kannst ihn durch seine direkte Sprache verstehen – ihn bewusst bewegen und in deiner eigenen Haut - deinem Zuhause behaglich sein. Bewusstheit in deinen Körper zu bringen ist eine leichte und einfache Art ihn zu stärken. 100 Trillion Zellen tanzen und feiern Lebenspotenz... Erwachen... bringen Friede und Freude.

 

„Die Kirche sagt: der Körper ist Sünde.

Wissenschaft sagt: der Körper ist eine Maschine.

Werbung sagt: der Körper ist ein Geschäft.

Der Körper sagt: ich bin eine Party.“

                                                             Galeano

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